Interview mit dem Elefantenpfleger Stefan Geretschläger – Teil 3
Der Elefantenpfleger Stefan Geretschläger schaut mit uns in dem insgesamt fünfteiligen Interview hinter die Kulissen und liefert und spannende Infos rund um die Dickhäuter und natürlich das neue Elefantenhaus im Heidelberger Zoo. Diese Woche: Die Unterschiede zwischen asiatischen und afrikanischen Elefanten.
Wie stark sind asiatische Elefanten bedroht?
Wir haben in den 80er Jahren angefangen den Kontinent Afrika unheimlich zu schützen, auch die Elefanten. Dort haben sich die Populationen wieder so gut erholt, dass wir mittlerweile in manchen Gebieten zu viele Elefanten haben. Insofern ist der Zoo-Trend jetzt auf den mehr bedrohten asiatischen Elefanten gekommen. Asien ist ja ein wirtschaftlich explodierendes Land, da wird selbst in Ländern wie Burma, die keine so starke Wirtschaft haben, den Elefanten Land weggenommen. Konkret spreche ich von der Abholzung des Regenwaldes, der der natürliche Lebensraum des Elefanten ist. Die Problematik ist das wir in Asien teilweise rapide Rückgänge von Wildbeständen haben. Die Zoos versuchen jetzt den Fokus von Afrika auf Asien umzulagern um den asiatischen Elefanten mehr zu schützen, weil er extrem bedroht ist durch Wilderer und durch die Zerstörung seines Lebensraums. Das ist ein großes Thema für uns.
Um auch dem Besucher zu zeigen das Elefant nicht gleich Elefant ist.
Genau, für die meisten Besucher sind alle Elefanten gleich, aber es sind natürlich zwei verschiedene Arten. Sie sehen sich vielleicht ähnlich, sind aber nicht untereinander kreuzbar. Man kann keinen afrikanischen Elefanten mit einem asiatischen Elefanten verpaaren und so Tiere zeugen.
Was sind weitere Unterschiede zwischen afrikanischen und asiatischen Elefanten, abgesehen vom äußeren Erscheinungsbild?
Ein afrikanischer Elefant hat eine ausdrucksstarke Körpersprache. Er streckt gerne seine großen Ohren weg und bewegt sich allgemein schneller als ein asiatischer Elefant. Wenn man mit ihm arbeitet ist das ein anderes Handling, es ist sensibler. Der asiatische Elefant ist seit 4000 Jahren in Menschenhand, weil er sehr zuverlässig ist. Asiatischen Elefanten sagt man nach sie seien im Vergleich zu Afrikanern ruhiger. Es gibt da natürlich auch individuelle Unterschiede, aber generell kann man das schon so sagen. Ein asiatischer Elefant ist einfach straight on und ein afrikanischer lässt sich doch schneller mal aus der Ruhe bringen oder ist relativ schnell aufbrausend. Auf der anderen Seite, gut für den Pfleger, ist der afrikanische Elefant noch verfressener als der asiatische. Mit einem kleinen Stück Zucker kann ich bei einem Afrikaner schon einen Handstand verursachen – so einfach ist es natürlich nicht. Bei einem asiatischen Elefant kann es schon sein, dass sie sehr resistent Futter gegenüber sind und wenn sie nicht wollen, dann wollen sie halt nicht. Man kann das immer schwer pauschalisieren, aber das sind so ein paar unterschiedliche Eigenschaften.
Was fressen denn Elefanten?
Der asiatische Elefant bekommt von uns grundsätzlich Heu, Stroh und Äste. Das sind seine Grundnahrungsmittel. Wir haben leider in Zoos immer das Problem mit übergewichtigen Elefanten. Das kann natürlich sehr schnell passieren, weil wir Pfleger – das kennt man ja aus seiner eigenen Tierhaltung – den Elefanten öfter mal was zustecken. Das Problem ist das Zooelefanten sich natürlich weniger bewegen als ihre Artgenossen in freier Wildbahn und dann eigentlich auch weniger brauchen. Das Grundfutter besteht also aus Stroh, Heu, Ästen und wenn man ein ganz lieber Pfleger ist, kann man ihnen noch Obst und Gemüse servieren. Bei uns ist es so, dass die Elefanten solche Leckerbissen nur durch Arbeit bekommen. Ein Eimer Obst ist z.B. in einem Ball, der in 3 Metern Höhe aufgehängt ist, und die Elefanten müssen sich anstrengen an ihn ranzukommen und den Ball schütteln. So regt man auch wieder den Geist der Elefanten an. Kleinere Elefanten kommen vielleicht nicht so hoch und holen sich irgendwelche Dinge, Steine oder anderes Spielzeug, auf dem sie stehen können um das Obst zu erreichen. Wir versuchen unsere Elefanten satt zu füttern, aber für Leckereien müssen sie sich besonders anstrengen.
Und welche Mengen frisst ein Elefant so?
Also um ihn satt zu machen braucht ein ausgewachsener Elefant etwa 100kg pro Tag. Also Heu, Stoh und Äste, wobei Äste ja eigentlich nur Ballaststoffe sind, die kann man nicht so rechnen.
Wie viel ist das dann in Schubkarren ausgedrückt?
Wenn du gut packst, fährst du zwei Schubkarren am Tag rein, also 30 kg Heu, 20 kg Stroh und dann nochmal 50-60 kg Äste. Da kommt schon was zusammen. Elefanten sind dazu noch schlechte Futterverwerter, sie haben einen Darmdurchlauf von knapp 48h, also das kommt wieder relativ schnell raus und teilweise auch nur anverdaut. Du fährst also das ganze Zeug, das du rein geschleppt hast, auch so wieder raus.




