Interview mit dem Elefantenpfleger Stefan Geretschläger – Teil 5
Der Elefantenpfleger Stefan Geretschläger schaut mit uns in dem insgesamt fünfteiligen Interview hinter die Kulissen und liefert und spannende Infos rund um die Dickhäuter und natürlich das neue Elefantenhaus im Heidelberger Zoo. Diese Woche: Geburtshilfe bei Elefanten.
Wie ist es mit Jenny und Ilona, ist da eine Schwangerschaft geplant?
Nein, Ilona ist ja schon 50, die wird nicht mehr aufnehmen und Jenny ist zwar erst 27, hat aber körperliche Gebrechen, die eine Schwangerschaft nicht zulassen. Sie stand 10 Jahre mit einem erfolgreich züchtenden Bullen zusammen, hat aber nie aufgenommen oder wurde auch nie von dem Bullen als Sexualpartnerin angesehen. Da gibt es auch sehr große Sympathie oder Desinteresse bei Elefanten. Es ist nicht einfach so, dass man ein Männchen und ein Weibchen in ein Gehege stellt und 22 Monate später haben wir ein Jungtier. Die Weibchen suchen sich ihre Geschlechtspartner aus. Deshalb ist es für Zoos auch wichtig genügend Bullen zu haben, denn wenn es mit dem einen nicht läuft, müssen wir eben den nächsten holen.
Die Weibchen suchen sich das also aus.
Es gibt auch den Fall, dass die Bullen sich ihr Recht nehmen. Es ist tatsächlich so, dass ein sehr dominanter Bulle, der auf eine Kuh trifft, die sich nicht wehren kann, die auch vergewaltigt. Das ist auch bei Elefanten möglich. Eine Bulle versucht es natürlich immer und wenn ein Weibchen sich wehren kann, durch eine relativ hohe Dominanz oder eine körperliche Gegenwehr, hat sie gute Chancen und wenn nicht, dann nimmt sich der Bulle einfach sein Recht. Aber das machen auch Rinder, Tiger oder Menschenaffen.
Und brauchen die Kühe im Zoo Geburtshilfe?
Das kommt drauf an, wie sie es gelernt haben. Im Prinzip braucht der Elefant den Menschen dafür nicht. Die Elefantenkuh hat ja ihre Schwestern, ihre Tanten und die leisten aktive Geburtshilfe. Eine Erstgebärende, die im Idealfall mit 11 aufgenommen hat, und mit knapp 13 ihr erstes Jungtier bekommt, steht vor einer Extremsituation. Man hat im Zoo schon beobachtet, dass die Mutter und die Tante diese Erstgebärende im Zoo wirklich aktiv unterstützen. Man weiß darüber aber relativ wenig, man sieht das dann immer nur. Sie versuchen beispielsweise das Jungtier zu schützen. Denn es kommt leider immer wieder vor das die Mutter, wohl aus dem großen Geburtsschmerz heraus, nach der Geburt das eigene Jungtier attackiert. Das ist ein großes Problem in Zoos. Aber wenn die Kühe die Geburt einmal erfolgreich durchgezogen haben, sind die Chancen sehr gut, dass sie das alles beim nächsten Mal selber machen. Ich war auch mal bei einer Geburt dabei, da haben die Tanten dem Jungtier auf die Füße geholfen und haben die Mutter ein bisschen beruhigt, also dann Rüssel auf ihren Rücken gelegt und so weiter. Im Jahr 2010 können wir zwar zum Mond fliegen, aber wir wissen noch sehr wenig über das Sozialverhalten von vielen Tierarten, gerade bei Elefanten steht man oft vor einem großen Fragezeichen. Es gibt kein Buch oder keine Richtlinie, wie man erfolgreich Elefanten hält oder züchtet.
So ist es oft in der Tierpflege, man muss immer ausprobieren, Sachen neu testen, und sehen, ob sie sich bewähren. Auch in der Ausbildung zum Tierpfleger kriegt man einen gewissen Einblick, aber die Erfahrung wie du Tiere wirklich pflegst und hältst, kriegst du erst durch die Berufserfahrung.
Wie läuft den die Ausbildung zum Pfleger ab, was sind Voraussetzungen?
Schulische Voraussetzungen sind ein Realschulabschluss, das wäre wünschenswert. Es ist eine dreijährige Blockausbildung mit Praxis und Blockunterricht in der Schule. Nach 3 Jahren macht man eine Prüfung und ist dann Tierpfleger. Wie eine Lehre zum Schreiner oder zu anderen Handwerksberufen. Die Interessen der einzelnen Tierpfleger gehen auseinander, ich habe mich schon in der Lehre für Elefanten interessiert, aber der andere geht zu Reptilien oder interessiert sich für Vögel. Das ist das Schöne, jeder kann da eben sein Gebiet auswählen.
Wir danken Stefan Geretschläger vielmals für das Interview!




