Interview mit dem Elefantenpfleger Stefan Geretschläger – Teil 1
Der Elefantenpfleger Stefan Geretschläger schaut mit uns in dem insgesamt fünfteiligen Interview hinter die Kulissen und liefert und spannende Infos rund um die Dickhäuter und natürlich das neue Elefantenhaus im Heidelberger Zoo. Diese Woche: Die Aufgaben eines Elefantenpflegers.
Was sind die Aufgaben eines Elefantenpflegers?
Die Hauptaufgaben sind die eines ganz normalen Tierpflegers, also die Versorgung der Elefanten. Es geht darum die Tiere möglichst artgerecht im Zoo zu halten und die erste Ansprechperson dafür ist der zuständige Pfleger. Aufgaben sind Futter herrichten, die Gehege sauber machen und gegebenenfalls die Tiere zu trainieren. Bei Elefanten nimmt das sehr viel Zeit in Anspruch. Weitere Aufgaben sind die Pflege, z.B. die Fußpflege durch das Feilen der Nägel.
Ihr habt zu den Elefanten ja auch eine relativ persönliche Beziehung.
Genau, wenn man in direkten Kontakt arbeitet, muss man schnell eine Bindung herstellen. Wie bei einem Hund, den man nicht die ganze Zeit an der Leine führen möchte – man muss Vertrauen herstellen. Und so ist das auch beim Elefanten. Wenn ich mit dem auf einer Anlage stehe, darf er mir nicht weglaufen oder mich angreifen. Er soll mich als Respektperson behandeln.
Elefanten sind ja sehr sensibel und intelligent.
Intelligenz und Sensibilität gehören ja irgendwo zusammen. Bei Elefanten ist das wie bei Menschen sehr deutlich. Wenn sie einen Pfleger akzeptiert haben, passen sie beispielsweise auf ihn auf. Wenn man einen Elefanten reitet und er merkt, dass der Pfleger abzurutschen droht, versucht er beispielsweise den Rutsch aufzuhalten. Elefanten sind sehr feinfühlig.
Wo liegt die Herausforderung der Pfleger in dem neuen Elefantenhaus?
Im neuen Elefantenhaus werden wir im „Protected Contact“, also im geschützten Kontakt arbeiten. Wir gehen also nicht mehr direkt zu den Tieren rein. Deshalb ist die Herausforderung dennoch Kontakt zu dem Tier zu bekommen. Denn das Tier braucht im geschützten Kontakt die gleiche Pflege, wie wenn ich es im Vollkontakt halte. Man muss durch das Gitter versuchen einen Kontakt zum Tier herzustellen. Die Herausforderung ist durch viel Zeit und Beschäftigung mit den Tieren in Kontakt zu treten.
Warum ändert sich der Kontakt in dem neuen Elefantenhaus?
Wir wollen einen Bullenhaltung aufmachen und Bullen sind ab einem gewissen Alter sehr gefährlich – ein Bulle ist tendenziell immer gefährlicher als eine Kuh. Das hat damit zu tun, dass die Stimmung sehr schnell in Aggressivität umschlagen kann. Das ist ein Problem der Elefantenhaltung, weshalb es auch viele Unfälle in Zoos und auch in Asien mit Elefanten gibt. Das versuchen wir in Europa durch entsprechende Baumaßnahmen zu vermeiden.
Das ist also ein Schutz für euch?
Das ist in erster Linie ein Schutz für den Pfleger. Andererseits braucht der Elefant mich aber auch nicht zum Leben. Ein Tiger oder ein Löwe braucht ja auch keinen Pfleger, der zu ihm reinkommt und beim Elefanten ist das im Prinzip auch so. Er braucht seine Pflege, also Futter, saubermachen usw., aber als Sozialpartner brauchen die Elefanten mich nicht. Man hat jetzt erkannt, dass Elefanten, die unter Elefanten leben dürfen und nur diese als Sozialpartner haben, eine höhere Lebensqualität haben, als solche dessen Pfleger durch seine Dominanz die Verbindungen der Elefanten untereinander aufspaltet.
Früher was das immer ein Problem. Wenn ich als Pfleger auf eine Elefantenanlage gehe, muss ich der Chef sein, da gibt es keine Kompromisse. Man kann zwar kleine Ungehorsamkeiten dulden, z.B. wenn der Elefant einen schlechten Tag hat oder mal etwas länger braucht um etwas zu verstehen. Aber man hat auch immer den Elefantenhaken dabei, weil man eine gewisse Dominanz ausstrahlen muss und das zu jeder Zeit. Das ist im Protected Contact dann nicht mehr so. Da kann der Bulle auch mal einen schlechten Tag haben und ich muss ihn dafür nicht bestrafen oder züchtigen.
Es fördert also das natürliche Verhalten.
Genau, es ist unser Ziel die Elefanten möglichst naturnah zu halten wie sie auch in ihren Verbreitungsgebieten in Asien vorkomme. Auch dort gibt es in Nationalparks diese Junggesellengruppen, wie wir sie jetzt in Heidelberg installieren. Es ist also ein ganz natürliches Verhalten, das Bullen in ihren ersten Lebensjahren in der Familie aufwachsen, also bei Brüdern, Tanten, Schwestern, und später mit 7 oder 8 Jahren von diesen Familien getrennt werden. Die Chefin der Elefantenherde sondert sie dann die von der Herde ab und die Jungs sammeln sich wieder um dann im Schutz dieser Kleingruppe aufzuwachsen, bis sie voll geschlechtsreif sind.
Was ist bei der Auswahl der Jungbullen für die “WG” zu beachten?
Das Aussehen ist eher sekundär, wichtig ist die Altersstruktur in den Bullengruppen. Ein vierjähriger Elefant hat wahrscheinlich größere Probleme mit einem zwölfjährigen Bullen als mit einem sechsjährigen. Das ist wie im Kindergarten, Kinder im Krabbelalter steckt man auch nicht unbedingt mit Vorschulkindern zusammen. Die Vorschulkinder würden bestimmt tolle Sachen mit den Kleinen machen, aber ob ihnen das gefällt ist wieder eine andere Sache. Bei den Elefanten ist es im Prinzip das gleiche, da kommt es eigentlich nur auf die Körperkraft an. Der Kräftigste ist in der Bullengruppe der Chef und versucht natürlich auch seine Position zu halten und durchzusetzen.




